Pressestimmen  
   

1996 Frankfurter Allgemeine (Arianna)

Von Claudio Monteverdis zweiter Oper "Arianna" sind nur das berühmte Lamento erhalten geblieben. Alexander Goehr, der in Berlin geborene englische Messiaen-Schüler hat es 1994/95 gewagt, in acht Szenen die Oper noch einmal zu komponieren ... Bei der deutschen Erstaufführung im stimmungsvollen, stilistisch passenden Hof des Konstanzer Rathauses wurde die Musik vom akribischen Instrumentalensemble der "Kammeroper im Rathaushof" unter der gewissenhaften, energischen Leitung des Konstanzer Universitätsmusikdirektors Peter Bauer bis in feine Verästelungen ausbalanciert ...

1997 Thurgauer Volksfreund (Gelegenheit macht Diebe)

Spielerische und musikalische Leichtigkeit und Schönheit der Arien und der Musik, getaucht in Turbulenzen, Verwechslungen, Keckheit und Frechheit machen diese Oper aus, mit der Peter Bauer als musikalischer Leiter und Regisseur Mauro Guindani eine selten gespielte Kostbarkeit im Schaffen Rossinis für den Rathaushof in idealer Weise umgesetzt haben

1998 Südkurier (La tragédie de Carmen)

Immer wieder Bravo-Rufe und Beifall auf offener Szene. Das Publikum im Rathaushof war auch in der letzten Vorstellung regelrecht hingerissen von der Kammeroper 1998. Der Applaus galt allen - und er galt besonders Jorge Perdigon, dem Don José in Peter Brooks Carmen-Version. Was für ein Tenor! Stark, männlich und fest, weich und lyrisch, dramatisch, hart und grausam - der Spanier, der bisher vor allem mit den Partien des italienischen Repertoires von sich reden machte und in Konstanz vor einigen Jahren als Canio zu erleben war, ist mit einem gelungenen Streich tief in den französischen Opernkosmo vorgedrungen ...

2002 Bodensee Ferienzeitung (Pulcinella/Arlecchino)

... Der Hof des schmucken Konstanzer Rathauses stammt aus der Zeit Monteverdis und gilt als Exempel deutscher Renaissancearchitektur. Und genau hier wird seit 1983 Oper gemacht: Auf einem beachtlichen Niveau. Und mit beachtlichem Idealismus. Wenn die Konstanzer Rathausoper in diesem Jahr nun in ihre 20. Spielzeit stolziert, so blickt man gerne auch mal wieder zurück auf die Wirren und Widerstände der Vergangenheit. Denn nicht immer war es einfach für Peter Bauer, Urheber, künstlerischer Denker und Lenker des Projekts, sein genial erdachtes und gemachtes Kind zu sichern. Immer wieder stand er samt Förderverein vor Legitimationszwängen. Immer wieder wollten ihm die öffentlichen oder privaten Sponsoren den Geldhahn abdrehen oder ihn, wie 1992, gar zu einem Zwei- bis Dreijahresrhythmus überreden. Die Schlagzeilen damals redeten Tacheles. Das "Kulturwunder" Rathausoper bekam vom Kulturausschuss den "Todesstoss" und wurde von einem Wirtschaftsunternehmen, der Sparkasse in letzter Minute gerettet. Dabei ... ist die Rathausoper eine pieknobel polierte Perle, ein sommerlicher Höhepunkt des kulturellen Lebens am See.

2003 St. Galler Tagblatt (Don Giovanni)

In Venedig hatte sein Don Giovanni 1787 mehr Erfolg als jener Mozarts: Giuseppe Gazzanigas Sicht auf den Verführer Don Juan vermochte als Konstanzer Rathausoper weit über blossen Achtungserfolg hinaus zu überzeugen. ... Die Oper der Veronesen nimmt durch Individualität der Einfälle und eine mit leichter Hand gesetzte Dramatik für sich ein. Mit leichter Hand musizierte auch das Instrumentalensemble unter Peter Bauer ... angenehm quirlig ist Annette Wolfs Inszenierung. Augenzwinkernd spielt sie mit erotischen Leitmotiven wie Fesselung, Augenverbinden und Kleidertausch. Kein Stillstand bis zur effektsicher ausgemalten Höllenfahrt des Helden (Bühne und Kostüme: Dana Horvath-Schaller). ... In ihrer prickelnden Unbeschwertheit ist die Aufführung mehr als ein Mozart im Kleinformat.

2005 St. Galler Tagblatt (Der Barbier von Sevilla)

Orchester hier, Bühne dort: diese Trennung hat in der Inszenierung von Giovanni Paisiellos „Barbier von Sevilla“ keinen Platz,...denn Nada Kokotovic setzt in ihrer Inszenierung alles daran, Musik und Handlung zu verschmelzen. ... Das durchaus feinfühlige Orchester unter Peter Bauer ist intim an den Sängern dran, was viel Natürlichkeit in die Szene zaubert, den Klangkörper der bloßen Zulieferfunktion entledigt und der quirlig abwechslungsreichen, geistvoll gesetzten Musik ihren steten Wert garantiert. Wieder hat sich die Kammeroper ein hochrangiges Solistenensemble engagiert. Vor allem bei den Hauptrollen gab es kaum Qualitätsunterschiede. ...
Rossinis „Barbier“ kennt man zur Genüge. Paisiellos „Barbier“ aber, die Konkurrenz aus Konstanz ist eine Entdeckung: Das Schmunzeln über viel Gelungenes ist unablässig garantiert.

2007 St. Galler Tagblatt (L'Orfeo)

Nach derben, wetterfesten Naturburschen sehen die Schäfer im Gewand derkroatischen Ausstatterin Dana Horvath-Schaller nicht aus, eher nach Bohémiens der gepflegten Art, nach Dandys, die sich die müssige Zeit mit Sehen und Gesehenwerden, mit Flirts und amourösen Spielereien vertreiben. Mit der stimmungsvollen Ambiance des Innenhofs allein hat sich die Kammeroper vor allem in den letzten Jahren nicht mehr zufrieden gegeben, auch nicht mit bloß stilsicherem, solide einstudiertem Musizieren, für das von Anfang an Peter Bauer verantwortlich zeichnete. Es darf ästhetisch mehr als bieder sein. Kein Kunstdandy soll hier gähnen müssen; diejenigen auf der kleinen Bühne jedenfalls, raffiniert von Regisseurin Nada Kokotovic in Bewegung gehalten, scheinen schon genug Lustbarkeiten genossen zu haben. Sehr körperbetont geben die Sänger die alles andere als einfältige Entourage Orfeos ab, jeder Schritt, jede tänzerische Geste kommt, zum Tic heruntergekühlt, aus der Musik - ein Inszenierungsstil, den die Regisseurin auch mehrfach am Konstanzer Theater als mythische «Choreodramatik» zur Diskussion gestellt hat.

2008 Südkurier (Zaide)

Vogelgesang empfängt den Besucher im Konstanzer Rathaushof. Auf der Bühne sitzen die Protagonisten von Wolfgang Amadeus Mozarts Zaide in venezianischen Masken und zwitschern. Doch es sind keine bunten Paradiesvögel und ihr Käfig ist nur in übertragenem Sinne golden: Gleißend weiß präsentieren sich Kulisse (Mario Ferrara) und Kostüme (Dana Horvat-Schaller) zur Kammeroper 2008. Und ein lichtes Spiel auf der Bühne wie im Orchestergraben wird den Abend zu einem kurzweiligen und poetischen Erlebnis werden lassen.
Peter Bauer, künstlerischer Leiter und Dirigent der Kammeroper, hat ein Gespür für Raritäten des Repertoires. Mozarts Zaide ist da ein Glücksgriff: sie vereint die Zugkraft des großen Namens mit musikalischer Qualität und lässt als Fragment der Regie großen kreativen Spielraum. Tanja Weidner vom Berliner Ensemble nutzt ihn und fügt der Geschichte um die versklavten Europäer im Serail des Sultans eine lyrische Ebene hinzu, eine ästhetisch reizvolle Welt der Zauberworte mit Gedichten vom abendländischen Goethe bis zum morgenländischen Rumi, die das Geschehen reflektieren und gleichzeitig darüber hinausweisen. ...
Es siegt vor allem die Musik Mozarts, die mit einer solchen Leichtigkeit gespielt und gesungen wird, dass zumindest akustisch alle Ketten gesprengt werden. ... Man muss auf der Stuhlkante sitzen, um dieser Musik, gerade auch bei den einzigartigen melodramatischen Passagen zu Beginn der beiden Akte, gerecht zu werden – und Bauers Ensemble tut das auch in sehr präzisem Zusammenspiel mit dem homogenen Gesangsensemble auf der Bühne. ...

2009 Südkurier (Xerxes)

Geschlechtermäßig muss es im Barock ziemlich drunter und drüber gegangen sein. Zumindest, wenn man die Barockoper als Maßstab nimmt. ... all diese Liebeswirren, Verwechslungen und Missverständnisse, bis sich ganz am Schluss wie durch ein Wunder der Knoten und alles in Wohlgefallen auflöst. ... Annette Wolf hat den Stoff mit viel Gespür für die komödiantischen Seiten auf die Bühne gebracht und dabei eben auch die Handlung entwirrt. Auf der Bühne ist schließlich alles ganz schlüssig, stimmig und einfach. Das liegt daran, dass es Annette Wolf mit dem Sängerensemble so gut gelingt, die einzelnen Charaktere herauszuarbeiten. ...
Alles in allem ein unterhaltsamer Opernabend, der einmal mehr die Bedeutung der Rathausoper für das Konstanzer Kulturleben unterstreicht.

2010 Südkurier (Bettleroper)

Die pausenlose „Menschlichkeit“, die für die Nobelhöhen wie für die Prekariatstiefen gilt, ist das Thema der berühmten „Beggar’s Opera“, die den philosophischen Hauptsatz des englischen Denkers Thomas Hobbes auf die Bretter brachte: Der Mensch ist der Wolf des Menschen.
Aber Philosoph, Poltiker, Gauner und Dirnen haben die Rechnung ohne die Kunst gemacht. Der Bettler-Poet bringt „Begnadigung“ ins Spiel, Happy End statt Galgen, freie Doppelliebe statt rechtswidriger Bigamie, kurz: Oper statt Wirklichkeit. ...
Das alles kutschiert der große, keineswegs überladene, inszenatorisch von Nada Kokotovic ausbalancierte Thespiskarren lebendig in einen satirisch-moralischen Opernhimmel. Den zeigte schon das Bühnenbild: Keine Kaschemmenkulissen, sondern Baugerüst einer unfertigen Welt und Sozialgeschichte. Das sah man an den Kostümen, die nur Schwarz-Weiß zeigten wie das Stück samt seinem Milieu. Dazu gab es einen tönenden Kontrapunkt. Denn Brittens Fassung für kleines Opernorchester bring Klangfarben ins Spiel, frischt die alten Songs auf, lässt Händel-Marsch und Purcell-Sarabande durchklingen.
Peter Bauer, der Maestro der Rathausoper, bereitete die musikalischen Aktionen mit feinster Akribie und eleganter Mischung aus Polyphonem, Tänzerischem, romantischem Harfenschlag, koketten Flöten- und klagenden Oboentönen. Die Balladen, Couplets, Ensembles überzeugten durch rhythmische Treffsicherheit, klare Intonation und ein buntes Register an Kolorit und Ausdruck, das alles sichtbare Schwarz-Weiß mit hörbarem Musik-Regenbogen überwölbte.

2011 Thurgauer Zeitung (Die Nachtigall)

Die Kammeroper im historischen Rathaushof Konstanz setzt seit bald dreissig Jahren Zeichen dafür, was man abseits vom großen Opernbetrieb mit bescheidenem Budget, aber innerhalb der speziellen historischen Kulisse an gelungenen Opernkleinodien herbeizaubern kann. Gerade das Intime, das Sorgfältige ist es auch in diesem Jahr, was einem mit dem Gefühl aus einem Opernabend entlässt, etwas Zauberthaftes erlebt zu haben. ...
Mit Tanja Weidner geht eine junge Regisseurin an Strawinsky heran, die keine Angst vorm Märchenerzählen hat, die in ihrer Inszenierung zeigen zu wollen scheint, wie gerne wir uns Märchen erzählen lassen. Kleine, keck und genau gesetzte Regieeinfälle machen diesen Strawinsky zu einem feinen Genuss. ...
Martin Preisser

2011 Südkurier (Die Nachtigall)

... Peter Bauer, der Gründer, Leiter, Spiritus Rector der Konstanzer Rathausoper, hat die postromantische Üppigkeit ins Kammermusikalische übersetzt. ... Dabei geht Masse, aber nicht Klasse, keineswegs pointierter Strawinsky-Stil verloren. Die Oper – drei märchenhaft kontrastreiche Akte in 65 Minuten und etwa 10 Minuten Applaus – wird zum Kammerspiel, die Musik vom Öl- zum Aquarellbild umkoloriert, dabei zeichnen sich die thematischen Konturen fast schärfer und delikater als bei der originalen Vollbesetzung in den wechselvollen Klangbildern ab... – man könnte schwärmen von der zarten Buntheit der neuen Nachtigall.
Der Inszenierung von Tanja Weidner gelang es mit reicher Bildertheatralik nicht nur die Augenlust zu locken, sonden auch das Märchenproblem der „Nachtigall“ deutlich – und mit epischer Erzählpartie vor jedem Akt – zu überbringen. ...
Die Szenenkontraste belebten alle Aktion durch Raum-Vielfalt und Farben. ... Der erste und letzte Akt waren eher matt beleuchtet, dafür der zweite in Glanz und Glitzern bis in die Fahnenschals und Kostüme gesetzt: Kammerspiele rahmten einen berückenden Rest Grand Opéra ein. ...
Dr. H. Weidhase

2012 Südkurier (Truffaldino - Diener zweier Herren)

Einen Sinn für Raritäten hatte man bei der Kammeroper im Konstanzer Rathaushof schon immer. Zum 30jährigen Bestehen der sommerlichen Kulturinstitution hat sich deren Leiter Peter Bauer seine Rarität selbst gemacht: „Truffaldino- ein nie komponiertes Singspiel mit der Musik von Wolfgang Amadeus Mozart“. Ausgegraben hat er dafür jene Nummern aus dem Köchelverzeichnis, die so gut wie nie gespielt werden, weil Mozart nie eine ganze Oper daraus komponiert hat. Ausgesucht hat er sich eine der genialsten Komödien der Theatergeschichte: Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“
Mozart selbst hatte das Stück für ein Libretto einst auch im Blick…Nun haben die Konstanzer das Versäumte nachgeholt, italienische Commedia dell’arte und prächtige Mozartsche Musik zusammengepackt, durchgeschüttelt, umgetextet – und einen temporeichen, witzigen, musikalisch überaus reizvollen Opernabend daraus gemacht. Hätte er das sehen können, der Wolferl, ja, er hätte ganz sicher seine wahre Freude daran gehabt. Am Stück, am Text und an dem überwiegend jungen Ensemble, das voller Spielfreude agierte. Ja, und auch am Improvisationstalent aller Beteiligten… Denn die Jubiläums-Premiere war am Morgen noch ernstlich bedroht, da eine der Hauptdarstellerinnen, Meike Hartmann…von einem entzündeten Kehlkopf quasi mundtot gemacht wurde. … Das Ensemble hat sich selbst geholfen: Agnes Knoop, eigentlich in der Rolle der Smeraldina zu sehen, sprang kurzerhand und bravourös für die Arien der Kollegin ein, Regisseurin Tanja Weidner las die Dialoge und Hartmann selbst bewies im stummen Spiel auf der Bühne ein so ausgeprägtes pantomimisches Talent, dass der Premierenabend tatsächlich so ungetrübt verlief wie die traumhafte Sommernacht…
Der Koreaner Kap-Sung Ahn gibt den schlitzohrigen Diener Truffaldino … nicht nur mit wendigem Bariton, er beweist Sinn für Komödie und Wortwitz und beherrscht das beachtliche Tempo des Abends auch sprachlich…Und auch der Rest dieses jungen, frischen Ensembles zeigt, wie sehr ein Opernsänger unterdessen auch Schauspieler sein muss. Da sind die erfahrenen Bässe Damian Whiteley und Bernd Gebhardt, die als Pantalone und Dottore so herrlich lächerlich wie gesanglich souverän auftreten. Da sind die ganz jungen…: Anne Ganzenmüller mit glasklarem Sopran als Braut Beatrice, die Tenöre Dennis Marr als Silvio und Moritz Kallenberg als Florindo mit poetischen Momenten in der herrlich gesungenen Arie „Wär’s möglich…“ sowie die unverzichtbare Figur der Dienerin Smeraldina, gegeben von der besagten Agnes Knoop, die so recht in ihrem Element wirkt. Schauspieler Christian Wincierz gibt als Wirt Brighella den komödiantischen Rahmen.
Launig geht es auch im Orchestergraben zu, wo die Musiker der Kammeroper flink und transparent, fein akzentuiert und dynamisch bestens auf das Bühnengeschehen abgestimmt agieren. …Die Inszenierung von Tanja Weidner…packt das Spiel vor der sparsamen Stoffkulisse von Stefan Bleidorn in die Welt des prallen Straßentheaters voller Wortwitz und harmloser Frivolitäten. … Es ist eine Mords-Gaudi mit hervorragender Musik, die Peter Bauer den Konstanzern zum Jubiläum serviert. Wäre zu schade, wenn sie danach in den Archiven verschwinden würde…
Bettina Schröm

2013 Südkurier (I Pagliacci)

Wie stets bietet die Kammeroper im Rathaushof Konstanz in bester Festivaltradition kleine theatralische Pointen. ... Doch hat man im Jubiläumsjahr 2012 noch schmunzelnd Mozarts Musik zu Goldonis Geschichte gelauscht, bleibt einem heuer das Lachen im Halse stecken. Peter Bauer greift eine Oper wieder auf, die bereits vor 19 Jahren auf dem Konstanzer Spielplan stand: Leoncavallos "I Pagliacci", der "Bajazzo", bei dem man unweigerlich an riesenhafte Besetzungen und Pavarottis Best-off-CD denkt. Kaum eine Oper jedenfalls scheint auf den ersten Blick ungeeigneter für ein Kammerspiel. Den musikalischen Leiter hat das nicht abgehalten. Er setzte den Komponisten Martin Derungs auf die Partitur an. Und Derungs Fassung zeigt, was Instrumentierung ausrichten kann. ... Die Farbigkeit des Ensembleklanges zum Beispiel, die leichte Verfremdung, filigraner Charme statt großem Volumen, - durchaus mit Reminiszenzen an italienische Folklore. Man hört und staunt immer wieder.
Zur Reduktion im Orchestergraben fügt sich die Neuinszenierung, für die Nada Kokotovic zeichnet. Vor schlichtem Bühnenbild (Jochen Diederichs) lässt sie dem menschlichen Drama seinen Lauf. Bunte Fasnachtsromantik bleibt dabei außen vor; wer einen Bajazzo mit hohem weißen Hut und Clownskostüm erwartet, hofft vergebens (Kostüme: Joanna Rybacka). Es geht um menschliche Abgründe, ein Ehedrama unter der Lupe.
Den jungen, international besetzten Sängern verlangt Kokotovic dadurch eine enorme schauspielerische Leistung ab. Sie bestehen, spielen sich um Kopf und Kragen und bieten gesanglich mehr als solide Vorstellungen: Lemuel Cuento kraftvoll in der Titelrolle, Cecilia Berglund mit klar und leicht geführtem Sopran als Nedda, Nuno de Pereira als riesenhafter Tonio mit Volumen auch in der Tiefe, Lèon de la Guardia als charmanter Peppe und Gustavo Zahnstecher schmelzend als Silvio; nicht zu vergessen die acht Choristen, die immer wieder die Szene in jugendlicher Frische beleben.

2014 Südkurier (Nina)

Wahnsinn. Darum geht es in Giovanni Paisiellos Oper „Nina“. Die Titelfigur verkraftet den vermeintlichen Tod ihres Liebhabers nicht und fällt in einen Zustand geistiger Umnachtung. Und noch mal Wahnsinn: Was da auf der Bühne der Konstanzer Kammeroper erklingt, lässt das Herz höher schlagen. Ein Top-Ensemble mit fünf Solisten, eine besser als der andere, hat Peter Bauer für seine diesjährige Rathausopern-Produktion zusammengestellt. Ein stimmigeres, weil homogenes und auf gleichmäßig hohem Niveau singspielendes Ensemble hat es zuvor vielleicht nur selten gegeben. … Doppelter Wahnsinn also. Zumal Peter Bauer am Pult des Kammerorchesters von Anfang an einen passenden, leichtfüßigen Ton anschlägt und frische Tempi wählt. ….
So arm die Handlung,. So reich ist die Musik. Besonders Ninas Szenen sind voller Raffinesse. Ihre Stimmungsschwankungen zwischen Bangen und Hoffen, zwischen hochfliegendem Dur und depressivem Moll, setzt Paisello in einer entsprechenden „bipolaren“ Musik um …
Insgesamt also ein lohnender Jahrgang in der Rathausoperngeschichte – egal ob die Aufführung, wie bei der Premiere, wegen Regen und Kälte in die Spiegelhalle verlegt werden muss oder im lauschigen Rathausinnenhof stattfinden kann.
Elisabeth Schwind

2015 Südkurier (DIE KLUGE)

…Nun also Carl Orffs "Die Kluge" in schöner kammermusikalischer Besetzung im Renaissance-Innenhof. Der Turm, in den ein selbstgerechter König den naiven Bauern gesperrt hat, ist von dieser „Naturkulisse“ schon vorgegeben, und Jochen Diederichs hat sich in der Gestaltung der Bühne um den Rest gekümmert. … Schön ist dies schon anzusehen, bevor sich die Lichttechnik weiter um die Rahmenbedingungen kümmert oder die beiden roten Schals als Insignien der Macht – und man ist versucht zu sagen: auch eine aufkeimenden Liebe – von den Wänden des historischen Konstanzer Rathauses herabgelassen werden. …
Peter Bauer hat eine Fassung für 15 Soloinstrumente geschrieben, die so konzentriert ist wie die gesamte Aufführung im intimen Rahmen des Rathausinnenhofes…
Nach dem kraftvoll-komischen Bass-Auftakt des Bauern (Josef Pepper) ist man fast erstaunt, wie weich Marcello de Souza Felix als König mit seinem Bariton einsetzt. Kann man einem König mit solch einer Stimme ernsthaft hadern? Ja, denn mit den Parlando-Passagen erhält diese Stimme auch ihre raueren Konturen…
Orff hält es ein wenig mit Shakespeare, indem er zu munteren Zwischenspielen eine Gaunertruppe einführt, die dem Besitzer eines Esels (Hans-Jürgen Schöpflin verleiht ihm seinen geschmeidigen Tenor) übel mitspielt. Zugegeben, man hat seinen Spaß dabei, zumal die Partien der drei Strolche (Emanuel Heitz, Lorenzo de Cunzo und Bernd Gebhard) von Orff mit schönem Ensemblegesang bedacht werden, dem man noch länger hätte lauschen können (und dem Publikum auch einen besonderen Applaus wert war). …
Insgesamt eine erfrischende, musikalisch inspirierte Aufführung…
(Brigitte Elsner-Heller)